Muttenz: Ein Grubenhaus aus der Karolingerzeit


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Koordinaten: 615.508/263.550
Grabung: Oktober 2008

Schon seit langem geht man davon aus, dass das Dorf Muttenz aus einem römischen Gutshof hervorgegangen ist. Dafür spricht nicht zuletzt der Ortsname selbst, der allgemein als vordeutsch, vermutlich römischen Ursprungs angesehen wird. Mit Ausnahme der Pfarrkirche St. Arbogast, die 1972/73 archäologisch untersucht wurde und als älteste Baureste die Fundamente einer Kirche der Zeit um 700 n. Chr. lieferte, fehlte bisher jedoch jede Spur einer frühmittelalterlichen Besiedlung und damit eine Verbindung zwischen der nachgewiesenen römerzeitlichen Siedlung und dem mittelalterlichen Dorf.

Dank einer Untersuchung im Oktober 2008 liegt nun ein erster konkreter Hinweis vor, dass sich der frühmittelalterliche Ort tatsächlich im Umkreis der Kirche entwickelte, wo bereits eine römerzeitliche Siedlungsstelle lag. Im Hinterhof des Bauernhauses Kirchplatz 18 wurde erstmals in Muttenz ein frühmittelalterlicher Siedlungsbefund festgestellt. Es handelt sich dabei um die Reste eines Grubenhauses mit vier Eckpfosten.

Grubenhäuser waren im Frühmittelalter eine geläufige Gebäudeform, die dank dem Umstand, dass sie zu einem Teil im Boden eingegraben waren, archäologisch oft nachweisbar sind. Grubenhäuser waren selbständige hölzerne Kleinbauten, eigentliche Halbkeller, in denen möglicherweise Vorräte gelagert wurden, die man aber nachweislich vor allem als Webkeller nutzte.

Das Muttenzer Grubenhaus von 2.1 x 2.4 Meter war nur noch 10 Zentimeter tief erhalten. Sein Bautypus mit den vier Eckpfosten sowie die in seiner Verfüllung geborgenen Funde – unter anderem rollstempelverzierte Keramik, die auf der Töpferscheibe gefertigt wurde (so genannte sandige Drehscheibenware) und der dünne Bügel einer Gürtelschnalle aus Buntmetall – datieren den Befund ins 8. Jahrhundert. Einige Pfostengruben im Umfeld zeugen von ebenerdigen Bauten in der nahen Umgebung. Sie könnten in dieselbe Zeit gehören, waren aber fundleer. Andere Gruben sind durch Funde in die jüngere Neuzeit datiert.


Reto Marti
Oktober 2008

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