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Das Zwingener Schloss ist eine Gründung der Freiherren von Ramstein auf Lehensland des Bischofs von Basel. Vermutlich war mit dem Bau des Wasserschlosses der Versuch einer Stadtgründung verbunden, denn auf zwei benachbarten Inseln wurde offenbar gleichzeitig eine Siedlung mit Ökonomiegebäuden und eine neue Durchgangsstrasse angelegt, die man mit einer Ringmauer umwehrte. Der Bischof, der 1296 im benachbarten Laufen selber eine Stadt gründete, verhinderte wohl persönlich den Erfolg dieses Versuchs. 1457, mit dem Tod des letzten Ramsteiners, fiel der Besitz für drei Jahrhunderte zurück an den Bischof. Nach mehreren Handwechseln kam die historische Stätte 1993 schliesslich in den Besitz der Gemeinde Zwingen.
Seither wurde die gut erhaltene Schlossanlage durch die Gemeinde in mehreren Bauetappen saniert und umgebaut, um sie wieder nutzbar zu machen. Leider wurde die Archäologie Baselland erst in der Schlussphase zugezogen, als keine umfassende Bauanalyse mehr möglich war. Dennoch sind die Ergebnisse, die punktuell noch gewonnen werden konnten, bemerkenswert.
Die Baugeschichte beginnt 1240, wie mehrere jahrringdatierte Balken zeigen, also unmittelbar nach der Erhebung der Ramsteiner in den Freiherrenstand (1238/39). Damals wurde der Turm in der Höhe bis zur heutigen Dachterrasse errichtet. Sein Hocheingang im zweiten Obergeschoss ist heute noch erhalten. Gleichzeitig begann man mit dem Bau der bis zu 3,5 m dicken Beringmauer. Spuren unter dem modernen Verputz lassen vermuten, dass sie ursprünglich Zinnen trug. Ein Jahr später wurde östlich des Turms ein mächtiger Annexbau mit ebenerdigem, original erhaltenem Spitzbogentor errichtet. Seine Fassade zum Burghof war mit Blendbögen gegliedert. In der Mauer des ersten Obergeschosses konnte ein Fenster mit Sitznische freigelegt werden. Gleichzeitig mit dem Bau der südlichen Beringmauer wurde ein Wohntrakt (Palas?) errichtet. Er besass weniger massive Mauern und mehrteilige spitzbogige Fenster.
Erst im 16. Jahrhundert erfuhr diese Anlage grössere Veränderungen: Wohl zwischen 1572 und 1577 wurde der Innenhof beidseits des Turmes weiter überbaut und auf ein bis zu 1,7 m höheres Niveau angehoben. Zuvor lag der Burghof auf der Höhe der Strasse und der Kapelle ausserhalb der Burg. Zugemauerte Fenster an der Ostfassade des Schlosses eines mit Jahreszahl 1577 passen zur neuen Geschosseinteilung. Der Annexbau westlich des Turms barg vermutlich eine Küche. Ein grosser Raum in dessen Obergeschoss erhielten einen Boden aus Sandsteinplatten. 1617/18 unterteilte man ihn durch den Einzug von Fachwerkwänden. Ein Cheminée wurde eingebaut.
Nach der vollständigen Überbauung des Innenhofes (Bauphase 6) erhöhte man den gesamten Gebäudekomplex um ein Stockwerk und errichtete darüber ein einziges Dach: Aus der Burg war eine «Residenz» geworden, deren Erscheinungsbild sich in der Folge nur noch wenig änderte. Wandmalereien und eine Sonnenuhr mit Jahrzahl 1591 zeigen, dass man damals auch das Äussere neu schmückte. Im 18. Jahrhundert nach einer Jahreszahl im zweiten Obergeschoss evtl. 1715 hob man die Böden im Obergeschoss um einen Meter an. Da man sie einfach auf viele Tonnen schweren Bauschutt legte, dürfte auch diese Massnahme wieder mit erheblichen Eingriffen in die Bausubstanz einher gegangen sein.
Pavel Lavicka/Reto Marti
September 2005
Anita Springer
März 2009
Literatur: Walter Merz, Schloss Zwingen im Birstal (Aarau 1923); Werner Meyer, Burgen von A bis Z, Burgenrexikon der Regio (Basel 1981) 164 ff. ; D. Reicke, «von starken und grossen flüejen». Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 22 (Basel 1995) 104 f.
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