Liestal: früheste steinzeitliche Bauern im Ergolztal |
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Koordinaten: 623.440/259.480 Grabung: Mai und Oktober 2001 (geplant) |
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Oberhalb der Stadt Liestal, wo der steile Südhang des Schleifenberges in ein etwas flacheres, terrassenartig abgestuftes Gelände übergeht, fand Kurt Rudin in einem neu abgegrabenen Wegbord einige Silexartefakte. Mehrere Bohrer vom Typ Dickenbännlispitze datieren das kleine Inventar ins Jungneolithikum (um 4000 v. Chr.), das in der Nordwestschweiz und in den angrenzenden Gebieten mit mehr als 120 Fundstellen gut dokumentiert ist (z.B. auf dem Ötschberg bei Bennwil). Die darauf folgenden Nachforschungen der Kantonsarchäologie ergaben am Rande einer in der Nähe liegenden Baustelle weitere steinzeitliche Silexartefakte. Einige regelmässige Klingen und Lamellen mit spätmesolithischem Charakter liessen gegenüber den oben erwähnten Funden ein höheres Alter erahnen. Eine kleine Sondierung, die der Begradigung des Aufschlusses für eine Profilaufnahme diente, lieferte schliesslich unter anderem eine asymmetrische Silexpfeilspitze, einen geschliffenen Meissel aus Felsgestein sowie einige mit Stichreihen verzierte Keramikscherben mit rotbrauner Aussen- und schwarzer Innenfärbung, die als La Hoguette-Keramik identifiziert werden konnte. Bei der La Hoguette-Keramik handelt es sich um eine spezielle Keramikausprägung, die in Frankreich und Deutschland des öfteren zusammen mit Gefässscherben der ältesten Bandkeramischen Kultur vorkommt, sich aber durch ihre Form, Verzierung und Magerung deutlich von dieser unterscheidet. Die zugehörige Silexindustrie trägt eindeutig spätmesolithische Züge. Die Herkunft dieses Keramikstils wird aus dem Bereich der französisch-spanischen Mittelmeerküste angenommen, von wo er bis nach Mitteleuropa vordrang. Am Rhein stiess etwa in der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends vor Christus die von Osten kommende bandkeramische Kulturströmung auf die vermutlich bereits vorhandenen Träger des Stils von La Hoguette, was schliesslich das gemeinsame Vorkommen der beiden Keramikstile in diesem Gebiet erklären würde. Mit der Entdeckung dieser ausserordentlich bedeutenden Fundstelle wird nicht nur der zweite La Hoguette-Fundnachweis in der Schweiz belegt. Der Fund liefert auch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Neolithisierung der Westschweiz. Er kann als Anzeichen einer frühen Neolithisierungswelle aus südwestlicher Richtung gewertet werden, die die Nordwestschweiz möglicherweise schon früher erreicht hat als die Bandkeramische Kultur. Jürg Sedlmeier September 2001 |
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| Literatur: Christian Jeunesse, La céramique de La Hoguette: Un Néolithique ancien non danubien en Alsace? In: Les premiers agriculteurs. Le Néolithique en Alsace (Strasbourg 1993) 2224. |