Bennwil: jungneolithische Landsiedlung auf dem Ötschberg


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Koordinaten: 625.080/251.300
Grabung: Juli bis September 2000

In der Nordwestschweiz und in den angrenzenden Gebieten sind bis heute mehr als 120 jungneolithische Landsiedlungen entdeckt worden. Die entsprechenden Fundinventare bestehen jedoch nur aus Steinartefakten, die in jahrzehntelanger Sammeltätigkeit von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kantonsarchäologie zusammengetragen wurden. Trotz dem intensiven und systematischen Absuchen von Ackerflächen konnten bis heute keine gesicherten Objekte aus organischer Substanz oder Keramik gefunden werden, was sowohl für die Datierung als auch für die kulturelle Einordnung grosse Probleme aufwirft. Als Datierungsansatz wurde bisher der auf typologischen Vergleichen beruhende Zeitraum um ca. 4000 v. Chr. angenommen.

Die noch bis Ende September laufende Grabung auf dem Ötschberg verspricht nun in mancherlei Hinsicht neue Ergebnisse. Die Rettungsgrabung wurde durch den Bau der Transitgasleitung notwendig, deren Leitungsführung mitten durch die Fundstelle führt.

Eine erste Serie von Oberflächenfunden wurde in den Jahren 1960-62 von Kurt Rudin sichergestellt. Nach seinen Angaben und auf Grund detaillierter Feldbegehungen durch die Kantonsarchäologie konnte schliesslich ein Grabungsgebiet von etwa 100 Quadratmetern eingegrenzt werden, das, wie sich im Nachhinein zeigte, genau richtig liegt und unter dem Pflughorizont unerwartet gute Erhaltungsbedingungen aufweist.

Mehrere grubenartige Strukturen enthalten dunkel verfärbte Sedimente, die reich an Funden sind. Von den zahlreichen Silexartefakten sind als typische Werkzeuge vor allem die Bohrer vom Typ Dickenbännlispitze und die Silexbeilklingen vom Typ Glis-Weisweil zu nennen. Zusammen mit den Silexartefakten treten nun erstmals auch Keramikreste, Holzkohlestücke und faunistische Reste auf. Unter den Keramikresten sind neben Randscherben auch mehrere Wandscherben mit kleinen Knubben überliefert, wie sie beispielsweise in der Cortaillod-Kultur vorkommen.

Die Funde und Befunde zeigen schon jetzt, dass wir über die Ackerbauern und Viehzüchter, welche in unserer Region vor etwa 6000 Jahren sesshaft waren, einiges an neuen Informationen erwarten dürfen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass im oder direkt unter dem Pflughorizont auch vereinzelte römische Funde (Keramik, Fibelfragment) zum Vorschein kamen.

Jürg Sedlmeier
Oktober 2000

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