Die Topfhelme von der Burg Madeln – Sensationelle Funde aus der Ritterzeit



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Fundort: Pratteln-Madeln
Koordinaten: 619.450/261.800
Fundjahr: 1940


Die Burgruine Madeln thront hoch über dem Dorf Pratteln. Von hier geniesst man ein eindrückliches Panorama in die Hochrheinebene. Doch nicht die Lage hat diese ehemalige Burg der Herren von Eptingen berühmt gemacht, sondern die Umstände ihres Untergangs. Wie viele andere Gebäude fiel sie 1356 dem Erdbeben von Basel zum Opfer. 1939/40 wurde sie von Soldaten - leider wenig sachgemäss - freigeschaufelt.

Die beiden Topfhelme kamen erst ganz am Schluss der Grabungen, unter viel Mauerschutt zutage. Der ältere, einfachere Helm stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Er ist aus fünf massiven Eisenplatten zusammengenietet, besitzt einen knapp zentimeterbreiten Sehschlitz und trug ursprünglich ein Innenfutter. Die rechte Wangenseite ist siebartig mit 40 Atemlöchern versehen, während die linke, im Kampf exponiertere Seite nur deren fünf aufweist. Riemchen und seitliche Metallzungen hielten den Helmaufsatz, das Zimier. Dank einem kreuzförmigen Knebelloch konnte der Helm am Brustpanzer befestigt werden.

Der zweite Topfhelm weist deutlich jüngere Züge auf: Er ist dünnwandiger, grösser (war demnach wohl besser gepolstert), und besteht nur noch aus zwei Eisenblechen und einer getriebenen Kalotte, die mit zusätzlichen Bändern gezielt verstärkt wurden. Beide Wangenseiten besitzen je neun kreuzförmige Atemöffnungen. Möglicherweise schützte ursprünglich eine zusätzliche Visierplatte diese fragile Stelle. Er datiert ins frühere 14. Jahrhundert.

Topfhelme, die Kopf und Gesicht schützten, sind eine Erfindung des 13. Jahrhunderts. Anhand von Bildquellen und Originalfunden ist es möglich, die eindrückliche technische Entwicklung zu verfolgen, die zu einer stetigen Verfeinerung des Kriegsgeräts führte. Dass die Helme trotz dem äusserst eingeschränkten Gesichtsfeld tatsächlich gebraucht wurden, zeigen eine Delle auf dem Scheitel und der Eindruck einer Turnierlanze (Turnierkrönlein) auf der linken, dem Turniergegner zugewandten Schläfenseite des älteren Exemplars. Der jüngere Helm weist am unteren Rand der linken Wangenseite eine behelfsmässige Reparatur auf.

Die beiden Topfhelme stellen eine ausgesprochene Rarität dar. Weltweit sind nur rund ein Dutzend solcher Helme bekannt. Nur der Erdbebenschutt konnte verhindern, dass die Helme von Madeln, als sie veraltet waren, wie viele andere dem Metallrecycling anheim vielen.


Literatur: Reto Marti/Renata Windler, Die Burg Madeln bei Pratteln BL. Archäologie und Museum 12 (Liestal 1988); Jürg Tauber, Ein Topfhelm von Madeln. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 124f.

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