Rätselhafte «Firstziegel» aus Reinach – Ein Kultobjekt der Bronzezeit?


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Fundort: Reinach-Langrüttiweg
Koordinaten: 611.950/262.430
Fundjahr: 1993

Die rätselhaften, dachförmigen Objekte aus gebranntem Ton stammen aus einer Grube in einer Siedlung der späten Urnenfelderzeit (Spätbronzezeit, 9. Jahrhundert v. Chr.). Ein fast vollständiges Exemplar und das Fragment eines zweiten liegen vor. Doch worum handelte es sich? «Firstziegel» ist nur eine Verlegenheitsbezeichnung. Ziegeldächer gab es in der Spätbronzezeit mit Sicherheit nicht: Dächer waren noch für lange Zeit aus Stroh und Schilf.

«Firstziegel» dieser Art finden sich vom südlichen Oberrhein bis nach Bayern. Brandspuren zeigen, dass sie vielfach dem Feuer ausgesetzt waren. Als schlichte Feuerböcke haben sie jedoch kaum gedient. Mitfunde aus der Reinacher Grube weisen eher in einen kultisch-rituellen Zusammenhang. Dazu gehörte möglicherweise auch der Umstand, dass man die Gegenstände am Schluss speziell entsorgte.

Die Reinacher «Firstziegel» sind die ersten, die in einer modernen Ausgrabung geborgen wurden. Wenn es eines Tages gelingen sollte, die Verwendung und Bedeutung dieser Gegenstände genauer zu umreissen, dann nur dank solchen, sorgfältig untersuchten Neuentdeckungen.

Literatur: Calista Fischer, Die «Firstziegel» von Reinach: Ein ungelöstes Rätsel. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 102f.

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