Eine Maskenfibel aus Muttenz – Eindrückliches Beispiel frühkeltischer Kleinkunst


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Fundort: Muttenz-Holderstüdeli
Koordinaten: 614.890/264.360
Fundjahr: 1922

1922 wurde beim Kiesabbau ein West-Ost ausgerichtetes Erdgrab entdeckt, in dem sich zwei massive eiserne Fussringe "mit einigen Zierwülsten" und "ein kupfernes, verarbeitetes Stück einer Schnalle in Form eines Schwans" lagen. Die Fussringe sind heute verschollen. Die "Schnalle" ist in Wirklichkeit eine Gewandschliesse, eine so genannte Maskenfibel. Die erhaltenen Knochenreste stammen offenbar von einem gut 40jährigen Mann, während man auf Grund der durch die Funde nachgewiesenen Tracht (paarige Fussringe) eher eine Frau vermuten würde.

Das wichtigste Stück aus diesem Grab, die Fibel, besitzt als augenfälligstes Merkmal einen so genannten Maskenkopf und einen massiven, dicken Bügel. Die Nadel mitsamt dazugehörender Spiralfeder fehlt heute und ist - wie zwei Niete auf der Unterseite des Bügels zeigen, bereits in antiker Zeit einmal geflickt worden. Maskenfibeln dieser Art datieren ins 5. Jahrhundert v. Chr., also in die frühe Latènezeit. Sie sind vor allem in einem Gebiet zwischen Mosel und Böhmen verbreitet. Die Fibel von Muttenz ist das einzige bekannte Exemplar aus der Schweiz und zugleich einer der südlichsten Fundpunkte dieses Typs. Dass ihr Wert schon zu ihrer Zeit besonders geschätzt wurde, zeigen die Spuren ihrer langen Tragezeit. – Eine Nachbildung der Fibel ist in unserem Museumsshop erhältlich.

Eine Neuerung der frühlatènezeitlichen Kunst bestand darin, dass kriegerische Themen allmählich überhand nahmen. Besonders krass ist die Darstellung berittener Krieger, welche die abgeschlagenen Köpfe ihrer Feinde als Trophäen mit sich führen - eine später von römischen Autoren als typisch keltisch bezeichnete Sitte. Der menschliche Kopf und fratzenartige, menschlich-tierische Mischwesen scheinen in der keltischen Kultur überhaupt einen besonderen Stellenwert besessen zu haben.

Literatur: Felix Müller, Die frühlatènezeitliche Maskenfibel von Muttenz-Holderstüdeli BL. Archäologie der Schweiz 2, 1979, 166-171; Calista Fischer, Eisenerz und Eisenzeit, Hallstatt- und latènezeitliche Siedlungskammern. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 399-428.

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