Der Faustkeil von Pratteln – Ein altsteinzeitliches Allzweckgerät


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Fundort: Pratteln-Hohle Gasse
Koordinaten: 619.700/262.800
Fundjahr: 1974

Faustkeile gehören zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit. Sie wurden gezielt aus einem Knollen des Rohmaterials Silex herausgearbeitet. Durch präzises Zuschlagen entstand eine verhältnismässig lange Arbeitskante. Da Faustkeile den Kern des ursprünglichen Rohstoffknollens darstellen, nennt man sie auch «Kerngeräte».

Das Stück von Pratteln besteht aus braungelbem Silex. Es ist 181 mm lang und 1126 g schwer. Seine Form war zuerst mit einem Schlagstein grob zugerichtet worden. In einem zweiten Arbeitsgang wurde er mit einem Schlägel aus Holz, Knochen oder Geweih überarbeitet. So entstand ein Allzweckgerät, das zum Spalten, Hacken, Schaben und Schneiden diente.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Faustkeil aus einheimischem Rohmaterial gefertigt wurde: Exakt dieselbe Silexqualität stammt aus der Huppergrube von Lausen. Prellmarken und vor allem die stark bestossene Spitze deuten darauf hin, dass der Faustkeil mitsamt umliegendem Schotter über eine gewisse Strecke verlagert worden war.

Auch wenn die Datierung heute gegenüber früheren Ansätzen von etwa 400'000 bis 300'000 Jahren viel weiter gefasst wird - er könnte auch «lediglich» etwa 120'000 Jahre alt sein - handelt es sich um das älteste erhaltene Werkzeug der Schweiz.

Literatur: Rolf d'Aujourd'hui, Ein altpaläolithischer Faustkeil aus Pratteln BL. In: Ludwig Berger et al. (Hrsg.), Festschrift Elisabeth Schmid zu ihrem 65. Geburtstag. Regio Basiliensis 1977, 1-14; Jürg Tauber, Der Faustkeil von Pratteln. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 94f.

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