Der Delphin von Munzach – Gartenkultur in einer römischen Villa |
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Fundort: Liestal-Munzach Koordinaten: 621.250/259.940 Grabung: 1974 |
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Der grosse römische Gutshof von Munzach
war von 1950–1974 fast ein Vierteljahrhundert lang Ziel archäologischer
Grabungen. Doch erst einer der letzten Pickelhiebe traf auf den
Spitzenfund: In einem Versteck, in einem der letzten noch unerforschten
Mauerwinkel, lehnte ein ausgezeichnet erhaltener bronzener Delphin.
Der Delphin hatte als Wasserspeier gedient. Er steht auf dem Kopf, sein Körper wand sich ursprünglich um ein stabförmiges Gebilde, wohl einen Dreizack. Aus einer Muschel in seinem Maul floss das Wasser, das durch einen Stutzen am unteren Ende der Figur zugeleitet wurde. Bis kurz unterhalb der Schwanzspitze ist der Delphin hohl gegossen, was eine äusserst komplizierte Gussform voraussetzte, die nur einmal gebraucht werden konnte. Beim Guss entstandene Fehlstellen wurden gekonnt geflickt. Anschliessend überzog ein Ziseleur den ganzen Körper mit regelmässigen Schuppen. Die künstlerische Qualität und Originalität des Delphins sind beachtlich. Obwohl er in der römischen Kunst in dieser Form ein geläufiges Motiv darstellt, fehlen direkte Vergleichsbeispiele. Stilistische Merkmale deuten am ehesten auf eine Datierung in antoninische Zeit (ca. 140-190 n. Chr.) hin - eine Blütezeit in unserer Region. Ob das Kunstwerk von weither importiert oder etwa im nahen Augusta Raurica angefertigt worden ist, muss offen bleiben. Für
unseren Delphin nahte das Ende, als die schadhaften Wasserleitungen im
Gutshof Munzach nicht wieder instandgestellt wurden und er somit seine
primäre Funktion verlor - ein Anzeichen für die verschlechterten
wirtschaftlichen Bedingungen, sinkenden Lebensstandard, ja vielleicht
sogar Überfälle und Zerstörungen, die mit dem Niedergang des römischen
Reiches einsetzten. Ein Altmetallsammler entfernte ihn schliesslich mit
Gewalt von seinem Standort und versteckte ihn zusammen mit zahlreichen
Eisengegenständen in besagter Gebäudeecke, wo er aus unbekannten Gründe
liegenblieb. Erst die Grabung von 1974 verwandelte ihn wieder in ein
hochgeschätztes Kunstwerk, das im Museum einen Ehrenplatz einnimmt. |
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| Literatur: Jürg Ewald/Annemarie Kaufmann-Heinimann, Ein römischer Bronzedelphin aus Munzach bei Liestal BL. Archäologie der Schweiz 1, 1978, 23-31; Annemarie Kaufmann-Heinimann, Die römischen Bronzen in der Schweiz V, Neufunde und Nachträge (Mainz 1994) 120f., Nr. 200, Taf. 77-79; Jürg Tauber, Der Delphin von Munzach. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 110f. |