Liestal-Munzach – Der wichtigste römische Gutshof hinter Augusta Raurica |
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Koordinaten: 621.250/259.800 Grabung: 1950–1996 |
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Die
grosse römische Villa von Munzach wurde 1950 entdeckt, als man die so
genannte «Munzachquelle» neu fassen wollte. Dabei stiess man auf
römische Säulentrümmer und Ziegelreste: Spuren eines Heiligtums. Der
damalige Primarlehrer Theodor Strübin liess darauf seine Schulklasse
über die umliegenden Äcker gehen und überall da, wo ein Ziegelstück am
Boden lag, einen Fetzen Zeitungspapier hinlegen. Von der Anhöhe des
nahen Hasenbühls aus konnte man danach an einer bestimmten Stelle eine
deutliche Konzentration von Papierschnipseln beobachten: dort steckte
das Herrenhaus im Boden. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde
in Munzach immer wieder gegraben. Heute gehört die Römervilla zu den am
besten bekannten der ganzen Schweiz und zu den grössten im Hinterland
von Augusta Raurica, nur eine gute Wegstunde (5 km) von der Koloniestadt entfernt. Eine römische Villa besteht aus mehreren Teilen, die zusammen gehören. An der besten Wohnlage befindet sich das grosse «Herrenhaus», die Wohnung der Gutsbesitzer. Sie bestand im Falle von Munzach aus mehreren Räumen, die zum Teil eine Bodenheizung besassen. Auch Küche und beheizbares Bad gehörten dazu. Zum Innenhof hin lag ein prächtiger, gedeckter Säulengang (Portikus), der mit Mosaikfussböden aus schwarzen und weissen Steinchen belegt war. Im Innenhof plätscherte ein kleiner Brunnen, auf dem wohl die berühmte bronzene Brunnenfigur eines Delphins thronte. In einigen Zimmern lagen Mosaiken, die noch kunstvoller gesetzt waren als diejenigen im Säulengang, zum Teil mit winzigen bunten Würfelchen aus verschiedenfarbigen Steinen. Auch Wandmalereien und marmorne Wandverkleidungen sind bezeugt. Das Herrenhaus war normalerweise durch eine Mauer oder eine Hecke vom übrigen Teil der Villa abgetrennt. Dort standen das Haus des Gutsaufsehers und die viel kleineren, schlichteren Häuschen der Arbeiter, Scheunen, Ställe und Werkstätten. Nahe beim Herrenhaus konnten in Munzach die Fundamente riesiger Lagerhallen ausgegraben werden. Man fand sogar noch die Bodenmulden, in denen die kugeligen Ölamphoren aufgestellt worden waren. In Munzach scheint man ausserdem ein Gebäude entdeckt zu haben, in dem Sklaven eingesperrt werden konnten. Das geschah aber sicher nur zur Bestrafung. Normalerweise konnten sich Sklaven genauso frei bewegen und arbeiten wie die anderen Villenbewohner. All diese Gebäude reihten sich entlang einer Hofmauer, die das gesamte Villengelände umfasste. Mitten durch den grossen Innenhof führte wohl eine Strasse, die sehr wahrscheinlich auf ein prächtiges Hoftor zu führte, das man bisher aber noch nicht finden konnte. Auch der Rösernbach wurde durch das Villengelände geleitet, wo er Felder und Gärten bewässerte und vermutlich auch eine Mühle antrieb. Insgesamt war die Anlage von Munzach gut 350 lang und ungefähr 160 Meter breit. Natürlich war damals nicht jede römische Villa so gross und so prunkvoll ausgestattet wie sie. Der ungewöhnliche Reichtum der Gutsbesitzer von Munzach zeigte sich auch in wertvollen Funden wie Gläsern oder versilbertem Metallgeschirr. Wahrscheinlich spielte die Familie der Gutsbesitzer eine wichtige Rolle in der Region. Als reiche Leute besassen sie vermutlich auch ein schönes Stadthaus im nahen Augusta Raurica. Nach den Funden zu schliessen wurde die Villa von Munzach am Anfang des 1. Jahrhunderts nach Christus gegründet, vielleicht über einem älteren, keltischen Gehöft. In der Folge baute man sie laufend aus. Die prunkvollen Mosaikböden entstanden wohl erst um 200–250 nach Christus. Die Krisen des Römischen Reiches des späteren 3. und 4. Jahrhunderts bekam Munzach offenbar auch zu spüren. In dieser Zeit scheint kaum mehr etwas gebaut worden zu sein; Funde sind spärlich. Ganz am Ende war die Anlage damit jedoch nicht: Im frühen Mittelalter entstand auf seinem Gelände ein Dorf, das noch bis ins 13. Jahrhundert existierte und den römischen Namen Munciacum (Munzach) bis heute bewahrte. Etwa 400 m oberhalb des Gutshofes wurde um 800 n. Chr. zudem eine eigentliche Gewerbesiedlung gegründet. > Zur Römervilla Munzach liegt ein Flyer vor, den Sie bestellen oder gratis downloaden können (pdf 1 MB). > Tipp: Besuchen Sie auch die Website der Munzachgesellschaft. |
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| Literatur: Theodor Strübin, Bildbericht über die Ausgrabungen in Munzach 1950–55. Baselbieter Heimatblätter 20, 1956, 385–424; Yolanda Hecht/Jürg Tauber, Das Hinterland von Augusta Raurica in römischer Zeit. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 429–456, bes. 446ff.; Reto Marti, Zwischen Römerzeit und Mittelalter. Forschungen zur frühmittelalterlichen Siedlungsgeschichte der Nordwestschweiz (4.-10. Jahrhundert). Archäologie und Museum 41 (Liestal 2000) bes. 276ff. |