Füllinsdorf-Altenberg – Eine frühe Adelsburg



zurück




Koordinaten: 622.690/262.130
Grabung: 1982, 1986/87


Die Burganlage auf dem Altenberg, auf einem beidseits steil abfallenden Bergrücken zwischen Ergolz- und Rheintal, war Ziel der jüngsten Burgengrabung im Kanton Baselland. Wie sich herausstellte, ist sie aber zugleich eine der ältesten Burgen der Region.

Beidseits durch ein Grabensystem geschützt, umfasst eine der Hangkante entlang laufende Ringmauer einen grösseren Innenhof, der im Südosten von einem mächtigen Wohnturm abgeschlossen wurde. Mauerstärken von gegen zwei Metern und ein Hocheingang lassen auf ein mächtiges, mindestens drei- oder viergeschossiges Bauwerk schliessen. Eine bis zu 4 m hohe Erdanschüttung an der Aussenseite liess das Bauwerk noch imposanter erscheinen. Südlich davon schloss eine mehrfach umgestaltete Toranlage an. Zwei Abortschächte am nördlichen Bering lassen vermuten, dass dort ein weiteres Gebäude, vielleicht eine Art Palas, an die Befestigung anlehnte. Im Hof fanden sich zudem ein Grubenhaus und ein im Boden eingetiefter Backofen.

Während der Grabung kamen einige ausserordentlich qualitätvolle Funde zum Vorschein, die das gehobene Leben auf der Burg beweisen: silberne Münzen, vergoldete, mit Silbereinlagen versehene oder geschnitzte Bestandteile der ritterlichen Ausrüstung und Bewaffnung, kostbares Bronze- und Glasgeschirr, aber auch Teile von Brettspielen, die von adeligen Mussestunden zeugen. Beachtlich sind auch grosse Mengen an Keramik: eines der grössten und bestdatierten Fundensembles der Region aus dem 11. Jahrhundert.

Schriftliche Quellen zu dieser bedeutenden Anlage fehlen. Den Funden zufolge war die Burg um das Jahr 1000 gegründet und bereits im späteren 11. Jahrhundert wieder verlassen worden, nachdem sie zwischenzeitlich einmal durch einen Brand zerstört und vielleicht nur behelfsmässig wieder instand gestellt worden war. Die Burg stammt demnach aus einem Zeitraum, in dem um die politische Angliederung der Region ans deutsche Reich gerungen wurde. In dieser Frühzeit des Burgenbaus ist am ehesten mit einer königlichen oder doch zumindest hochadeligen Bauherrschaft zu rechnen; einfachere edelfreie Geschlechter kommen für diese Zeit allenfalls als Ausführende, kaum jedoch als Auftraggeber in Frage.

Auf der Suche nach einem hohen Auftraggeber für die Burg Altenberg stösst man im historischen Umfeld des Hochrheins rasch einmal auf der Grafen des Sisgaus, Rudolf, der in einer Urkunde von 1048 genannt wird. Einer neueren These zufolge ist könnte er mit Rudolf von Rheinfelden identisch sein, der 1057 zum Herzog von Schwaben avancierte und 1077 von den Gegnern Kaiser Heinrichs IV. zum Gegenkönig gewählt wurde. Vielleicht ist der Untergang der Burg viel direkter mit der Niederlage und dem Tod Rudolfs von Rheinfelden 1080 verbunden, als die dürftige Quellenlage erahnen lässt.

> Informationstafel zur Ruine Altenberg (pdf 700 KB)


> Flyer zur Ruine Altenberg (pdf 3.9 MB)


Literatur: Reto Marti/Werner Meyer/Jakob Obrecht  mit Beitr. von Erwin Baumgartner .... [et al.], Der Altenberg bei Füllinsdorf. Eine Adelsburg des 11. Jahrhunderts. Schriften der Archäologie Baselland 50 (Basel 2013); Jürg Tauber, Das Mittelalter. In: Jürg Ewald/Jürg Tauber (Hrsg.), Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute (Basel 1998) 496ff.;

nach oben