Eptingen-Riedfluh – Eine Grottenburg aus dem hohen Mittelalter



zurück




Koordinaten: 628.020/249.015
Grabung: 1968, 1981–1983



Der markante Felsabbruch der Riedfluh im Hang des Ränggenberges ist heute von der Autobahn A2 aus gut zu sehen. Hoch ragt er über einer alten Querroute des Jura, die über den Kilchzimmersattel und das Kloster Schöntal zum wichtigen Oberen Hauensteinpass führte. Dass in einer grottenartigen Nische dieser Felswand vormals eine Burg stand, ist trotz dieser Lage eine späte Erkenntnis und dem Zufall zu verdanken: dem Tod eines Katers. Das von Kinderhand angelegte Katzengrab förderte Keramikscherben ans Licht,  auf die 1968 der Hobbyarchäologe Arnold Singeisen 1968 anlässlich einer Klettertour stiess. In den 1980er Jahren folgte die vollständige Freilegung und Konservierung der Anlage.

Die heute sichtbare Anlage der Burg entstand nicht in einem Zug. Ursprünglich hatte man nur die witterungsgeschützte Felshöhlung zugemauert. Später unterteilte man den Raum neu und stattete ihn mit repräsentativer Bauplastik aus. Schliesslich wurde auch der Hangbereich überbaut und mit einem bequemeren Zugang versehen. Ins Innere der Burg gelangte man über einen Hocheingang. Das Erdgeschoss diente als Keller oder Abstellraum. Dieser Kernbau entstand in der Zeit um 1050 n. Chr. Nach einem Brand richtete man im Erdgeschoss der Burg neue Räume ein, die zuerst nur von oben zugänglich waren. Das Obergeschoss erhielt einen massiven Boden aus mit Lehmmörtel verstrichenen Kalksteinplättchen (Phase 2).

Noch vor 1100 n. Chr. erfolgte ein Ausbau: Der Zugang zur Burg wurde verbreitert und ein ebenerdiger Eingang geschaffen. Die Räume im Erdgeschoss erhielten Verbindungstüren, Raum 3 wird vermutlich zum – zumindest zeitweiligen – Pferdestall. In dieser Phase wurde das Obergeschoss mit Pfeilern und Fenstersäulen aus Buntsandstein ausgestattet (Phase 3). Als letztes wurde die Bebauung auf die zuvor frei gebliebene Hangstufe vor der Burg erweitert – ob in Form von an den Hauptbau anlehnenden Gebäuden oder einer offenen Terrasse, ist unklar. Möglicherweise entstand mit Raum 5 ein neuer Pferdestall. Der restliche Felssaum blieb über eine Treppe zugänglich. Zum Schutz der Erweiterungsbauten wurde im Nordosten ein vorgeschobenes Zugangstor errichtet. In einer Felsnische oberhalb dieses Tores, nur vom Obergeschoss der Burg erreichbar, wurde ein Hochsitz in den Fels gehauen. Um 1200 fiel die Anlage einem weiteren, verheerenden Brand zum Opfer und wurde aufgegeben.

Es ist anzunehmen, dass die Burg den Herren von Eptingen gehörte. Die Ausstattungsqualität und die frühe Zeitstellung der Burg wirft ein neues Licht auf dieses mittelalterliche Adelsgeschlecht. Die Herren von Eptingen tauchen erst nach 1200 in den Schriftquellen auf, als Gefolgsleute des Bischofs von Basel. Die frühe Entstehung und die hohe architektonische Qualität der Riedfluh zeigen aber, dass die Eptinger mehr waren als einfache Dienstleute. Die vielen Burgen um Eptingen, deren Anfänge man noch kaum kennt, weisen vielmehr auf eine bedeutende Herrschaft hin. Altes Familiengut der Eptinger lag ferner um Giebenach-Olsberg-Maisprach und im breisgauischen Minseln und Lörrach. Es befand sich um 1050 im Herrschaftsbereich der Grafen von Rheinfelden, die damals auch die Jura-Übergänge unter ihre Kontrolle zu bringen suchten. Um 1080 wurde die Grafschaft zerschlagen. Womöglich profitierten die Eptinger davon und stiegen so zu einem wichtigen Verbündeten des neuen lokalen Landesherrn, des Bischofs, auf.

Die Riedfluh ist ein Sonderfall. Der Typus der Grottenburg ist vor allem im alpinen Raum verbreitet. Bis zur Entdeckung der Riedfluh kannte man im Jura nur die Burg «Balm» bei Günsberg, Kt. Solothurn, die in diese Kategorie fällt. Viel üblicher war es, Burgen auf felsigen Anhöhen, durch Wall und Graben geschützt, zu errichten. Einmalig ist auf der Riedfluh auch die qualitätvolle architektonische Ausstattung mit kapitellgeschmücktem Gliederpfeiler, Gewölbesteinen und reliefverzierten Quadern aus Buntsandstein. Mit ihrer Entstehung um 1050 n. Chr. gehört die Riedfluh in die Frühzeit des Burgenbaus. Die meisten Burgen in der Region sind erst im 12. oder 13. Jahrhundert entstanden.

Nachdem die Burg einem Brand zum Opfer gefallen war, blieben viele Gegenstände in der Brandruine liegen. Sie legen Zeugnis ab von Alltag, Musse und Geselligkeit auf einem mittelalterlichen Adelssitz. Die Verteilung der Geschirrkeramik (Kochtöpfe) lässt vermuten, die Küche habe sich im Obergeschoss über Raum 4 befunden. Von der Küche aus wurde ursprünglich ein Kachelofen beheizt, den man später durch einen offenen Kamin ersetzte. Stube und Kammern lagen demnach über den Räumen 1–3.
Raum 1 war wohl die Vorratskammer, Raum 2 enthielt Heu und teilweise ungedroschenes Getreide.

Ein wesentliches Privileg des Adels war die Freizeit, welche die Herren mit Jagd und geselligen Spielen, die Damen auch gerne mit gehobenen Textilarbeiten verbrachten, wie entsprechende Funde zeigen. Aber auch Werkzeuge wie Hammer, Meissel oder Pfrieme wurden gefunden. Eiserne Pfeilspitzen unterschiedlicher Form sind die einzigen Hinweise auf Waffen, in dem Fall Bogen und Armbrust. Trense, Pferdestriegel, Sporn, Sattelschnallen sowie Hufnägel und -eisen zeigen indes, dass die Ritter auch die Pferde mitsamt dem wertvollen Reitzeug auf die Burg brachten.

> Informationstafel zur Riedfluh (pdf 2.7 MB)

> Flyer zur Riedfluh (pdf 600 KB)


Literatur: Lukas Högl, Burgen im Fels. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 12 (Olten 1986); Peter Degen (u.a.), Die Grottenburg Riedfluh, Eptingen BL. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 14/15 (Olten/Breiburg i.Br. 1988).

nach oben